Kurt Lüscher
Professor für Soziologie an der Universität Konstanz. Emeritiert seit 2000.
 

Übersicht

Zurzeit stehen für mich Fragen der theoretischen, empirischen und wissenssoziologischen Tragweite des Konzepts der Ambivalenz und die Ausarbeitung der heuristischen Idee eines diesbezüglichen Menschenbilds, des "homo ambivalens" im Vordergrund. Insbesondere geht es um die Tragfähigkeit dieser Sichtweise für eine theoretisch begründete, lebensnahe Sicht auf die Dynamik der Generationenbeziehungen und deren gesellschaftliche Einbettung sowie um die Prozesse der Sozialisation. Ebenso interessieren mich die Anwendungen und die theoretische Einbettung des Konzepts der Ambivalenz in der Psychotherapie sowie in anderen sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen. Im Weiteren beschäftigt mich die Möglichkeit einer systematischen Darstellung und Begründung von "Generationenpolitik".

Im Bereich der Generationenforschung beschäftigt mich, wie tragfähig die Idee ist, Generationen als Zuschreibung von Facetten individueller und kollektiver Identitäten zu verstehen. Daraus ergibt sich die Frage nach einer möglichen Spezifik von Generationenbeziehungen, die diese von anderen sozialen Beziehungen unterscheidet, beispielsweise in den Prozessen des "Tausches" oder hinsichtlich ihrer Verlässlichkeit. Diese Überlegungen sind der konzeptuelle Bezugspunkt für den Entwurf einer programmatischen "Generationenpolitik", eingeschlossen die Projekte für "Generationendialoge" als zivilgesellschaftliche soziale Initiativen.

Den Hintergrund bilden bisherige Arbeiten zu folgenden Themen:

Themen

Generationen – Generationenbeziehungen – Generationenpolitik - Generationenambivalenz - Generationengerechtigkeit

Generationen verweisen auf Formen des individuellen und kollektiven Bewusstseins und zugehöriger Identitäten. Generationenbeziehungen erfordern den gleichzeitigen Umgang mit Generationenkonflikt und Generationensolidarität in Familie und Gesellschaft. Dies verweist die Notwendigkeit einer Generationenpolitik. Letztere betrifft die Interdependenzen zwischen alterspezifischen Politikbereichen (Kindheit, Jugend, Familie, Alter) sowie die Verantwortung für künftige lebende Generationen. Durchgängig bedeutsam ist das Postulat der Generationengerechtigkeit. Unter praktischen Gesichtspunkten interessieren mich derzeit die Aktivitäten unter dem Stichwort "Generationendialoge". Ich verstehe sie als "Bildungsprojekte".

 Ausgewählte Publikationen

 Laufende Arbeiten


Ambivalenz allgemein

Eine elaborierte Definition von Ambivalenz bezeichnet damit Erfahrungen gleichzeitigen Oszillierens zwischen Autonomie und Dependenz, unter Umständen sogar Liebe und Hass, die für die persönliche Identität und die Handlungsbefähigung ("agency") von Belang sind. Der Umgang mit Ambivalenzen kann belastend sein, aber auch zu innovativen Denk- und Verhaltensweisen anregen. Die daran anschliessende Idee eines besonderen Menschenbilds, des "homo ambivalens", verweist auf die Fähigkeit der Menschen, Ambivalenzen zu erfahren, sie zu bedenken sowie zu gestalten und zugleich diese Fähigkeit wiederum ambivalent einzuschätzen.

 Ausgewählte Publikationen

 Laufende Arbeiten


Soziologie der Familie und der Familienpolitik – Familie und Recht

Familie hat an Selbstverständlichkeit eingebüßt. Die Prozesse ihrer Institutionalisierung sind prekär. Eine "Familienrhetorik", die einseitig idealisiert oder dekonstruiert, ist irreführend. Familien beinhalten die Chance der Erfahrung verlässlicher Beziehungen zwischen Generationen und Geschlechtern. Die dabei zu erbringenden Leistungen anzuerkennen und dafür förderliche Bedingungen zu schaffen, bietet sich als Zielsetzung einer zeitgemäßen Familienpolitik an. Hierbei ist das Recht von großer Tragweite.

 Ausgewählte Publikationen


Kind – Kindheit – Kinder- und Jugendpolitik

Der Umgang mit der Erfahrung fundamentaler Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen Kindern und Erwachsenen erfordert die Organisation von "Ökologien menschlicher Entwicklung". Die UN-Kinderrechtskonvention bietet sich als Orientierung an, um diese Lebenswelten im Genationenverbund partizipativ und nachhaltig zu institutionalisieren.

 Ausgewählte Publikationen


Erziehung – Bildung – Sozialisation

Kinder lernen von Erwachsenen und umgekehrt, dabei lernen beide gemeinsam. Zugleich setzen sie sich in der Abfolge der Generationen mit dem sozialen und kulturellen Erbe auseinander und können es sich kritisch aneignen. Darauf verweist das Konzept der "generativen Sozialisation" und ein erweitertes Verständnis von "Generativität".

 Ausgewählte Publikationen


Medien – Medienwirkungen – Medienethik

Medien wirken durch ihre Inhalte, durch ihre Technologien, ihre Organisation und ihre Kommerzialisierung, in Abhängigkeit von den sozialen Kontexten ihrer Nutzung. Um diese Zusammenhänge und ihre ethischen Implikationen systematisch zu erfassen, bietet sich das Konzept der Medienökologie an.

 Ausgewählte Publikationen


Allgemeine Soziologie

Meine Arbeiten zu den genannten Themen stehen, da es um fundamentale gesellschaftliche Institutionen und im Falle von Ambivalenz um eine Bedingung menschlicher Sozialität geht, stets im Kontext einer allgemeinen Soziologie. Zwei Aspekte sind in spezifischen Publikationen bearbeitet worden: Unter Bezugnahme auf R. K. Merton die Analyse von Zeit und im Anschluss an G. H. Mead jene der Perspektivik sozialen Handelns. In diesem Zusammenhang stehen auch interdisziplinäre Überlegungen zu Kunst und Musik.

 Ausgewählte Publikationen

» Persönliches


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» Neueste Publikationen

Artikel

Lüscher, K. (2010): "Homo ambivalens". Download (PDF)

Lüscher, K. (2010): Generationenpotentiale.

Lüscher, K. (2010): Generationendialoge. Download (PDF)

Lüscher, K. (2009): Humanvermögen. Download (PDF)

Lüscher, K. (2009): Potentiel humain. Download (PDF)

Krappmann, L./ Lüscher, K. (2009): Kinderrechte. Download (PDF)

Lüscher, K. et al. (2009): Generationenanalyse. Download (PDF)

Liegle, L./ Lüscher, K. (2008): Generative Sozialisation. Download (PDF)

Lüscher, K. (2008): Großelternschaft. Download (PDF)

Bücher

Dietrich W./ Lüscher K./ Müller Ch. (2009): Ambivalenzen erkennen, aushalten, gestalten.

Pillemer, K./Lüscher, K. (Hrsg.) (2004): Intergenerational Ambivalences: New Perspectives on Parent-Child Relations in Later Life.

Lüscher, K./Liegle, L. (2003): Generationenbeziehungen in Familie und Gesellschaft.

 Weitere Veröffentlichungen unter "Publikationen"
 


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